Was ist Bouldern?

Sicherlich erst einmal eine schwierige Frage. Unsere Antwort: Bouldern ist Klettern ohne Seil bis zu einer Höhe, aus der man noch abspringen kann. Zur Sicherheit landet man auf dicken Matten. Das beruhigt nicht nur den Kletterer sondern auch Mama und Papa, die ihren tobenden Sprössling beobachten. Die klettertechnische Anforderung besteht in der Lösung von so genannten Boulderproblemen, d.h. einzelne maximal schwierige Kletterzüge und Bewegungen aneinander zu reihen.

Die Vorzüge des Boulderns werden also schnell klar. Kein Stress mit Höhe, Seil, Wetter und Partner. Jeder kann, wann immer er will und Zeit hat zum Bouldern gehen. Doch das ist nicht der Grund, warum Bouldern so stark im Kommen ist. Vielmehr sind es persönliche, innere Faktoren, die uns positiv berühren. Diese motivieren uns immer wieder, den gleichen Boulder noch einmal zu versuchen, bis man ihn endlich geschafft hat. Nicht wie beim Klettern ärgert man sich, wenn man nicht oben angekommen ist, sondern jeder erreichte Griff ist ein Erfolg, jeder Zentimeter, den wir uns höher schieben ist ein Sieg. Wo wir vor wenigen Minuten noch glaubten, das kann doch gar nicht gehen, das stimmt nicht, die müssen sich verschrieben haben, halten wir nun die Bewegung für machbar und es lässt uns nicht mehr los. Wir wollen dieses Kletterproblem lösen. Dauert es auch noch so lange, schmerzen die Finger auch noch so sehr. Selbst wenn wir merken, nein das schaffe ich heute nicht mehr, ist die Vorfreude und Motivation, es am nächsten Bouldertag zu schaffen größer als die Enttäuschung. Habt ihr dieses Stadium erreicht, dann seid ihr Boulderer/Boulderinnen.

Nun folgt ein langer Weg aus Freud und Leid. Doch Aufhören geht nicht mehr. Mit jedem gelösten Boulderproblem tauchen neue Herausforderungen, komplexere Probleme, schwierigere Bewegungen auf und ihr wisst, bald werde ich auch diese meistern. Neue Aspekte runden das Bild des Boulderns ab: die Kommunikation und das miteinander Arbeiten, das gegenseitige Helfen, Unterstützen, Anfeuern, sich mit den anderen freuen. Urplötzlich wird aus dem inneren Gefühl, aus dem persönlichen Erlebnis ein Gruppenerlebnis, ein Gemeinschaftsgefühl.

Welcome to the next level. Jetzt könnt ihr in aller Welt Bouldern gehen und gehört sofort dazu. Wir tauschen uns aus, beschreiben einander die Bewegung, bangen mit völlig Fremden, dass sie es schaffen. Nun jagen wir dem Boulder hinterher. Schwer muss er sein, komplex die Bewegung, perfekt die Ausführung. Nur dann kann es gelingen. Was kann ich noch machen, welche Möglichkeit gibt es, besser zu werden? Taktik, Strategie, Training, Ruhephasen, bessere Ausrüstung, Bouldergebiete. Diese Begriffe jagen durch deinen Kopf.

Doch dann passiert es. “The Flow”, so nennt man es, die Bewegung ohne denken. Der Geist fliegt dem Körper hinterher, er beobachtet den Körper, greift nicht mehr ein. Nun wird alles klar und ruhig. Der selbst gesteckte Erfolgszwang wird unwichtig. Es gibt keine Schwierigkeitsgrade mehr. Nun habt ihr auch dieses Level verlassen. Ob ihr ein neues erreicht, oder schon erreicht habt, weiss ich nicht. Eher scheint mir, ist man aus dem Spiel ausgestiegen, die Motivation zu Bouldern ändert sich.

Euer Frank Roßkamp